Ganzheitliche Medizin

Was bedeutet „Ganzheitliche Medizin“?

In der ganzheitlichen Medizin werden, wie der Name schon sagt, nicht einzelne Körperteile oder Beschwerden behandelt, sondern der Mensch in seiner Gesamtheit betrachtet. Das heißt, es werden sämtliche körperlichen und seelischen Beschwerden des Patienten bei der Behandlung berücksichtigt.

Dementsprechend ist es für einen naturheilkundlichen Arzt wichtig, sowohl Ihre Vorgeschichte mit allen früheren Erkrankungen als auch Ihre aktuellen Beschwerden ausführlich zu erfragen. Die hierbei gewonnenen Informationen dienen dazu:

  • einerseits „schlechte“, d.h. krankmachende Einflüsse auf Ihren Körper aufzuspüren und auszuschalten
  • andererseits alle „guten“, d.h. immun- und organstärkenden Einflüsse zu fördern

Auf diese Weise werden die Selbstheilungskräfte des Patienten angeregt und unterstützt. Hierbei können sowohl schulmedizinische als auch naturheilkundliche Behandlungsmethoden und Medikamente zur Anwendung kommen. Soweit sinnvoll und möglich werden naturheilkundliche Arzneimittel (pflanzliche, homöopathische, orthomolekulare) und Maßnahmen bevorzugt, da diese in der Regel nebenwirkungsärmer und verträglicher sind.

Bei welchen Erkrankungen und für welche Patienten ist der Einsatz von „naturheilkundlichen Heil­verfahren“ sinnvoll?

Die unterschiedlichen Methoden der naturheilkundlichen Medizin können prinzipiell bei jeder Erkrankung angewendet werden, sowohl im Bereich der Diagnostik als auch bei der Behandlung. Eine Ausnahme stellen hier sicherlich akute und lebensbedrohliche Situationen dar, wie zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Krebserkrankung, wo die Schulmedizin keinesfalls ersetzt, sondern allenfalls ergänzt werden kann.

Bei allen anderen Erkrankungen, insbesondere bei chronisch Kranken (Patienten mit langjährigem Krankheitsverlauf), bei Multimorbiden (Patienten mit mehreren Krankheiten und Medikamenten), bei Therapieversagern (Patienten, bei denen die herkömmlichen schulmedizinischen Methoden versagen) sowie bei Arzneimittel­unverträglichkeiten (Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, allergischen Reaktionen) bietet sich ein Versuch mit „alternativen Maßnahmen“ an.

Da bei der ganzheitlichen Medizin überwiegend „sanfte“ Therapie­maßnahmen zum Einsatz kommen, ist diese besonders auch für empfindliche Menschen, ältere Menschen, schwangere und stillende Frauen sowie Kinder (inclusive Säuglinge) geeignet.

Folgende Erkrankungen sprechen auf naturheilkundliche bzw. ganzheitliche Behandlung besonders gut an:

  • Allergien: Nahrungsunverträglichkeiten, Heuschnupfen, allergisches Asthma, allergische Hautreaktionen
  • Infektanfälligkeit: häufige oder chronische Infekte der Lunge, Nebenhöhlen, Blase, etc.
  • Hautprobleme: Neurodermitis, Schuppenflechte, Ekzeme, unklare Ausschläge, u.a
  • Verdauungsbeschwerden und Darmerkrankungen: Reizdarm, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, u.a.
  • Erkrankungen der Atemwege: Asthma, Bronchitis, chronische Mandel-, Ohren-, Nebenhöhlen-Infekte
  • Migräne und Kopfschmerzen
  • Krebserkrankungen: Verbesserung des Immunsystems im Hinblick auf eine Verminderung von Tumor-Ausbreitung/-Wiederauftreten sowie eine Verbesserung der Lebensqualität
Werden naturheilkundliche Behandlungen von den Krankenkassen bezahlt?

In den letzten Jahren wurden aufgrund der positiven klinischen Erfahrungen und Studienergebnisse naturheilkundliche Verfahren zunehmend angewandt und von den Krankenkassen anerkannt.

Trotzdem werden die Behandlungsverfahren und die verordneten Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen übernommen.

Die privaten Krankenkassen übernehmen die Kosten für bestimmte naturheilkundliche Behandlungsverfahren sowie zum Teil auch die verordneten pflanzlichen und homöopathischen Medikamente. Die Kosten für orthomolekulare Präparate (d.h. Vitamine, Mineralien, Aminosäuren, Fettsäuren) werden von den Krankenkassen als sog. „Nahrungsergänzungsmittel“ angesehen und nur noch in Ausnahmefällen von Privatkassen erstattet.

Bei wem kann ich mich naturheilkundlich behandeln lassen?

Die Anwendung von naturheilkundlichen Verfahren ist in Deutschland nicht beschränkt oder geschützt, d.h. sie wird von verschiedensten „Behandlern“ vorgenommen. Neben naturheilkundlichen Ärzten praktizieren auch Ernährungsberater, Heilpraktiker (die es nur in Deutschland und einigen Kantonen der Schweiz gibt), Vitalogen, Lebensberater, Energiebehandler und Kosmetikerinnen.

Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Naturheilverfahren" hat nach einem 6-jährigen Medizinstudium an der Universität eine mehrjährige Assistenzarztausbildung mit Abschluss als Facharzt absolviert. Zusätzlich zu seinem schulmedizinischen Wissen hat er berufsbegleitend verschiedene naturheilkundliche Methoden im Rahmen von speziellen Fortbildungen, Praktika und Hospitationen erlernt. Die Zusatzbezeichnung „Naturheilverfahren“ wird bei der Ärztekammer beantragt und nur beim Nachweis der entsprechenden Qualifikation erteilt. Hingegen erwerben Heilpraktiker lediglich durch das Ablegen einer Prüfung bei einem Amtsarzt das Recht, ihren Beruf auszuüben.